HEAD, HEART, HANDS

Arbeit ist Arbeit und danach kommt Freizeit, oder warum fühlt sich das nicht zufriedenstellend an? Viele von uns fühlen sich leer und müde innerlich, haben mit depressiven Zuständen oder mit emotionalen Leiden zu kämpfen. Dem zugrunde liegend ist oftmals ein Gefühl der inneren Leere. Ein Gefühl von Bedeutungslosigkeit. Woher kommt dieses Gefühl?

Eine Idee, die ich verfolge bezieht sich auf drei Amerikaner: den Philosophen und Sozialpsychologen Erich Fromm, den Umweltwissenschaftler David W. Orr und den Biologen E. O. Wilson. Alle drei sind der Meinung die Deprivation des Menschen von der Natur, also unsere Entfremdung von allem Natürlichen sei schuld für Gefühle der Leere in uns. (Lese mehr darüber in hier)

Dann sollte es eigentlich mit einem Spaziergang in der Natur getan sein. Doch so einfach ist es leider nicht. Denn dann müssten Menschen die in ländlichen Gebieten wohnen viel erfüllter und glücklicher sein, als Menschen in urbanisierten Räumen.

Daher verfolge ich auch eine weitere Idee: Die 10 Grundbedürfnisse nach Max-Manfred Neef. Neef hat ein Modell der menschlichen Grundbedürfnisse erstellt mit 10 Wertkategorien: Subsistenz (Luft, Wasser, Nahrung, Gesundheit), Schutz, Zuwendung, Verständnis (Verstehen, sich entwickeln), Partizipation, Muße (Entspannung, Spiel), Kreativität (Schöpfen, Erschaffen), Identität, Freiheit und das zehnte Grundbedürfnis: Transzendenz. Transzendenz ist das Übergehen zu etwas Höherem, das Streben nach Höherem, nach Weltverständnis. Das zehnte Grundbedürfnis würde die weltweite Entstehung von Religion und Spiritualität erklären. Neef vermutet, dass die Grundbedürfnisse im Takt mit der Evolution des Menschen entstehen. Es bedeutet auch, dass Menschen wie auf einer Leiter der Bedürfnisse langsam nach oben schreiten. Wenn alle Bedürfnisse befriedigt sind, sind wir bereit für das letzte Bedürfnis: Das Verständnis über das höhere Wesen der Welt.

Diese Idee stimm überein mit den Forschungsergebnissen des World Happiness Report: Diese haben gezeigt, dass die Zufriedenheit der Menschen mit dem Befriedigen der Grundbedürfnisse steigt, nicht aber an Kapital oder materiellen Wohlstand gekoppelt ist. Die skandinavischen Länder beispielsweise investieren seit langem deshalb in die sozialen Systeme statt in wirtschaftliches Wachstum. Das Ergebnis: Die 4 glücklichsten Länder der Welt 2019 waren Finnland, Dänemark, Norwegen und Island.

Aufbauend auf diesen „Beweisen“ versuche ich mein Leben zu gestalten: Zurück zur eigenen Intuition und zunächst schauen ob alle Grundbedürfnisse akkurat befriedigt wurden. Aber hier kommt die Falle: In vielen Fällen suchen wir uns Ersatzbefriediger. Medien und unsere am Wirtschaftswachstum orientierte Kultur neigen dazu unsere Sinne zu vernebeln. Fernsehen, soziale Medien und passiver Konsum machen uns nicht glücklich. Wir neigen zu ständigem negativen Denken und zu ständigem Vergleichen und Messen an dem Erfolg und Aussehen der Anderen. Genauso wie vorgefertigte Lebensmittel nicht gut sind für unseren Körper, sind die vorgefertigten Medien die wir konsumieren nicht gut für unseren Geist.

Daher gilt zunächst schrittweise die eigne Intuition wieder gewinnen. Sich loslösen von Medien oder bewusst konsumieren, mehr Zeit mit sich selbst verbringen, versuchen den persönlichen Rhythmus zu verstehen. Bei mir hat es einige Zeit gebraucht, bis ich gemerkt (und zugegeben habe), dass ich nicht belastbar bin. So sehr ich mir das eingeredet habe, ich kann nicht mehr als 30 Stunden die Woche arbeiten, denn dann bin ich erschöpft, werde emotional, aggressiv und verletzlich. Es ist keine Schwäche, es ist eine Stärke den eignen Körper und Geist zu kennen und sagen zu können: So bin ich nun einmal. Es mach wenig Sinn in Konkurrenz zu treten mit dem Rest der Menschen, denn wir werden uns niemals aneinander messen können. Wozu denn auch? Ich lasse mich gerne von anderen Menschen inspirieren, finde sie anregend für meine eigene Entwicklung, aber ich möchte nicht sein wie sie. Ich bin ich.

Ein interessanter Mensch ist mir zu Beispiel bei einem TED Talk begegnet: Satish Kumar. Kumar ist ein indisch-britischer Umweltpädagoge und Autor. Er beschreibt eben jene Verbindung zwischen Hirn, Herz und Händen. Diese Verbindung spüren wir jedesmal wenn wir etwas erschaffen (Kreativität oder Schöpfung ist eines von Max Manfred Neef genannten Grundbedürfnissen). Es muss nicht immer ein Kunstwerk sein. Schöpfung fängt im kleinen an: Wenn wir einen Samen in die Erde einpflanzen und danach die Pflanze wachsen sehen, wenn wir die Pflanze ernten und sie weiter verarbeiten oder einen Teig kneten und im Nachhinein das Brot essen. Ich kenne kein größeres Glück als einen Teig zu kneten. Ich bin nicht allein: Viele meiner ehemaligen Kommiliton*innen aus dem Studium im nachhaltigen Design in England, arbeiten (trotz Master of Arts) in elementaren Berufen: sie bauen Lebensmittel an, fertigen Möbel, bauen Häuser, sind Lehrer*innen. Ich selber backe Kuchen. Es ist als ob wir damals aus all den Büchern über Ökologie, Designtheorie, Klimawandel oder Soziologie nur eines gelernt haben: der einzige Weg in eine bessere Zukunft, ist sich auf die Natur und die Grundbedürfnisse zurück zu besinnen. Wie es die Politik und die Wirtschaft in den skandinavischen Ländern tut.

Lasse dich davon inspirieren.

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1  L. Tolstoy in: „Small is beautiful: a study of economics as if people mattered“, E. F. Schumacher, Vintage, London, 1993, p. 182
2 „Grounded Economic Awareness: Ökonomisches Bewusstsein basierend auf ökologischen und ethischen Werten“, S. Kumar, Das Handbuch für Nachhaltigkeitskompetenz, University of Brighton
3 „The Nature of Design: Ecology, Culture, and Human Intentions“, D. W. Orr, Oxford University Press, New York, 2002, p. 120
4 „Glückstrends in 24 Ländern: 1946-2006 “, Inglehart, Welzel und Foa, http://www.worldvaluessurvey.org/wvs/articles/folder_published/article_base_106, World Values Survey Association
5 „The Happy Planet Index 2016: Ein globaler Index für nachhaltiges Wohlbefinden “, S. Abdallah, J. Michaelson, S. Shah, L. Stoll und N. Marks, Juni 2012, NEF (The New Economics Foundation)
6  „ Klein ist schön: ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, als ob Menschen waren wichtig “, E. F. Schumacher, Vintage, London, 1993, p. 41)

Fotos:  Alana Zubritz

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