NACHHALTIG LEBEN + GELD SPAREN

Wer nachhaltig Leben will, braucht Geld. Biologisch angebaute Lebensmittel, Elektroautos, Naturstrom, fair gehandelte Waren, unverpackt Einkaufen das alles ist nicht günstig. Bewusster Konsum hat seinen Preis. Stimmt das? Zunächst hatte ich den gleichen Eindruck...

Wie teuer ist ein Lifestyle?

Als Jugendliche verkörperten die Eltern meiner Freunde „Nachhaltigkeit“ für mich: Die Lebensmittel wurden im Reformhaus eingekauft, die Kosmetikprodukte waren von „Weleda“ oder „Dr. Hauschka“, die Sandalen von „Birkenstock“, die Leinenhose von „Hess-Natur“ und dann der Patschuli-Duft. Diese Personen hatten für mich erstmal nichts mit Reichtum zu tun. Als ich als Studentin allerdings versucht habe mich ausschließlich biologisch zu ernähren, wurde mir schnell bewusst, dass mein kleines Bafög und mein Mini-Job Lohn dafür nicht ausreichen. Ich landete aus Geldmangel dann doch immer wieder beim Lebensmittel Discounter.

Der Nachhaltigkeits Habitus änderte sich, es traten die „LOHAS“ in den Vordergrund: Life Of Health And Sustainability. Yoga und detox, vegan und fair. Ich wollte dazugehören. Leider hatte ich durch meine etwas quere Berufswahl als nachhaltige Designerin und mein starkes Bedürfnis etwas gutes zu tun in dieser Welt, immer noch kein Geld. Dadurch ging auch der Traum von LOHAS nicht ganz auf für mich. Die fair gehandelte Yoga-Pants kostet viel, die gute Naturkosmetik kostet viel, die Detox-Kur kostet viel, biologisch-dynamische Ernährung kostet viel, nur die nachhaltig produzierten Sneaker kosten nicht mehr als die von Nike oder Adidas. Es gab (und gibt) viele wunderbare nachhaltige Produkte die ich mir nicht leisten kann.

Wie kann ich Geld und Ressourcen sparen?

Ich habe andere Wege gesucht. Einige Freund*innen und ich haben das Problem erkannt und wollten daraufhin möglichst vielen Menschen Nachhaltigkeit zugänglich machen. Egal welches Einkommen, egal welcher Hintergrund. Wir wollten Nachhaltigkeit für Alle anbieten. Deshalb haben wir angefangen Events zu organisieren. Es ging ums Ressourcen sparen, darum etwas Neues zu erwerben ohne dafür viel Geld zu brauchen oder darum etwas Bestehendes zu erhalten. Wir haben Leute gesucht die sich mit dem Reparieren von Dingen auskennen und ein Repair-Café veranstaltet. Wir haben Veranstaltungsräume gesucht, in dem wir keine Miete zahlen müssen und Kleidertausch-Events gemacht. Wir haben Kooperationen gesucht, Lebensmittel gerettet, informiert, zum Machen animiert und noch vieles mehr. Alles nur gegen Spende und alles in unserer freien Zeit. So lernten wir selber auch Klamotten zu tauschen, Dinge zu reparieren und Sachen selber zu bauen. Es entstand ein wunderbares Hamburger Netzwerk in dieser Zeit, bestehend aus vielen Menschen mit mehr oder weniger Geld. Viele von diesen Personen haben heute selber ein nachhaltiges Start-Up Unternehmen. Wir haben uns selber beigebracht wie wir nachhaltig und kostengünstig Leben können. Unser Projekt „Wir wollen´s anders“ endete mehr oder weniger mit der Eröffnung unseres nachhaltigen Cafés „In guter Gesellschaft“ 2017.

Nachhaltiger Konsum für alle sozialen Gruppen.

Das Thema Nachhaltigkeit und Geld begleitet mich gleichzeitig in meiner Arbeit als Referentin. Seit 2015 mache ich unter anderem einen Projekttag zu nachhaltigem Konsum für Schüler*innen. Die Schüler*innen sind immer divers, verschiedenen Alters und mit verschiedenen Hintergründen. Die Schüler*innen leben meist noch mit ihren Eltern zusammen und sind abhängig von deren finanziellen Status. Ich habe bemerkt, dass viele Schüler*innen Nachhaltigkeit zunächst als teuer empfinden und ehrliche Kommentare wie: „Das können wir uns eh nicht leisten“ waren nicht selten. Ich wollte ihnen zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt nachhaltig zu Leben, je nach Interesse oder Geldbeutel. Wenn die „klassischen“ Themen wie Produkte aus fairem Handel und biologische Produkte bei einigen Teilnehmenden aufgrund der hohen Preise gar nicht in Frage kommen, wecke ich mit Ideen wie Tauschen, Teilen und Leihen wiederum ihr Interesse.

Ist Nachhaltigkeit wirtschaftlich?

2016 kamen meine Freundin Ina und ich auf die Idee ein nachhaltiges Unternehmen zu gründen. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem alle Menschen Nachhaltigkeit kennenlernen können, ohne dabei teuer oder dogmatisch zu sein. Die Idee die ich mit Freunden mit dem „Wir wollen´s anders“ Projekt verfolgt habe, sollte einen wirtschaftlichen Nutzen bekommen und ein Ort der Begegnungen werden. Das Ergebnis ist unser Zero-Waste Café „In guter Gesellschaft“, mit dem besonderen Fokus auf Müllvermeidung. Hier funktioniert Nachhaltigkeit also als gewinnbringendes Konzept, von dem wir und unsere Mitarbeitenden leben können. Die Preise für Speisen uns Getränke unterscheiden sich nicht von anderen Cafés. Nachhaltige Gastronomie ist also nicht unbedingt teurer. Wie funktioniert das? Da wir Verpackungsmüll reduzieren wollen, verzichten wir auf Fertigprodukte, kaufen nur Rohstoffe ein und bereiten alles von Grund auf zu. Dafür brauchen wir mehr Arbeitskräfte, allerdings sind „Rohstoffe“ günstiger als Fertigprodukte. Als Beispiel: 1 Liter Hafermilch kostet ca. 1,50€ – 2€ im Handel, stellen wir die Hafermilch selber her kostet der Wareneinsatz nur 0,50€ pro Liter, allerdings brauchen wir Strom dafür und jemanden der die Hafermilch herstellt. So sind wir letztendlich ebenfalls bei 1,50€ – 2€ pro Liter, allerdings sparen wir uns die nicht recyclingfähige Verbundstoffverpackung, da die Haferkörner vom Demeter Hof in einem großem Papiersack kommen. Kurzum wir haben die gleichen Kosten und somit auch Preise wie unsere Kolleg*innen, wir verteilen die Kosten nur anders.

 

Zu 100% nachhaltig Leben und Geld sparen? Es kommt auf die Mischung an!

Ich lebe die 4-Tage-Woche, das Bedeutet ich versuche nicht mehr als 30 Stunden in der Woche zu arbeiten, damit ich genug Zeit habe im Leben um mich um Dinge zu kümmern, zum Beispiel Sachen zu reparieren oder selber herzustellen (selbst gemachtes Deo, Waschpulver, etc.). Weniger zu arbeiten bedeutet aber auch weniger zu verdienen. Deshalb kaufe ich mir selten etwas und auch selten etwas Neues, sondern leihe und tausche wo es nur möglich ist, oder ich kaufe gebrauchte Dinge. Diese Dinge sind dann ggf. nicht von nachhaltigen Herstellern, sei es eine Secondhand Jeans von „Zara“ oder ein gebrauchtes „Apple“ Handy, dadurch spare ich aber Ressourcen und vor allem auch Geld.

Zuhause lebe ich auch nicht ausschließlich Zero-Waste. Ich versuche jeden Tag Verpackungsmüll zu sparen und plastikfrei einzukaufen, ich mache es aber nicht ständig und nicht in allen Lebensbereichen. Nicht weil ich nicht konsequent genug bin, sondern weil ich auch andere Strategien verfolge. Beispielsweise Lebensmittel retten. Bei geretteten Lebensmitteln kann ich mich nicht entscheiden ob und wie sie verpackt sind. Das macht das Retten von Lebensmitteln nicht weniger nachhaltig oder wichtig, es ist anders nachhaltig. Auch bei veganer Ernährung komme ich nicht immer ohne Verpackungsmüll aus, manchmal schleicht sich ein veganer Aufschnitt in Plastik verpackt in mein Körbchen, diese bekomme ich leider (noch) nicht an der Theke oder auf dem Markt, wie tierischen Aufschnitt. Dennoch ist vegane Ernährung wichtig für die Umwelt und ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit.

 

Finde deinen perfekten Sustainability-Cocktail!

Nachhaltigkeit hat so viele Faktoren: Ressourcen sparen, Abfall vermeiden, Ökosysteme schützen, gute Lebensgrundlagen für alle Menschen schaffen und eine gerechte Wirtschaft etablieren. Nachhaltigkeit hat dementsprechend auch viele Lösungsansätze: Postwachstumsgesellschaft, Kreislaufproduktion, Kollaborativ-Wirtschaft oder die Macher-Bewegung. Manche von diesen Lösungen sind kostspielig, manche gibt es umsonst. Die Mischung macht´s also. Zero-Waste ist demnach auch nicht die einzige Lösung zu einem nachhaltigem Leben, es ist Teil einer Vielzahl von Lösungen. Wichtig ist es Lösungsansätze zu kennen und dann zu schauen, in welchen Bereichen du möglichst viel erreichen kannst oder welche Bereiche gut in dein Leben passen. Denn jeder von uns lebt individuell.

Vergleiche das gerne mit dem Vorhaben sich gesund zu ernähren: Einige Fasten einige Wochen im Jahr und gönnen sich den Rest der Zeit alles. Andere verzichten komplett auf Süßes und ungesunde Fette. Andere machen unter der Woche eine Diät und erlauben sich alles am Wochenende. Im Ayurveda wird nach Stoffwechseltypen unterschieden, bei der Blutgruppendiät geht es um die jeweilige Blutgruppe und so weiter. Jeder Mensch muss selber wissen, was ihm gut tut und was nicht.

Hier einige Grafiken für dich, die dir eine Übersicht verschaffen, wie du nachhaltiger und glücklicher* Leben kannst.

Wenn dich genau diese Themen beschäftigen und nicht loslassen wollen, wenn du Antworten suchst aber dich von der Dimension der Aspekte überfordert fühlst, dann schaue dir mein Seminar „Becoming a Sustainability Pro“ an.

In dieser Fortbildung lernst du die Probleme, Lösungene und Prinzipen im Bereich Nachhaltigkeit kennen. Du erwirbst ein breites und tiefgehendes Wissen über Nachhaltigkeit und kannst dieses nicht nur in deinem Alltag nutzen, sondern auch professionell einsetzten. Ich freue mich auf dich!

Fotos + Grafiken:  Alana Zubritz / Laura Kypke

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